Wie der Herr von Berbisdorf zu Tode kam


 

 

ieles erzählt man sich von früheren Besitzern des Schlosses Niederlauterstein, den Herren von Berbisdorf deren einer 1530 bei einem Brande des Schlosses auf schreckliche Weise sein Leben verlor. Es war Georg von Berbisdorf ein gebrechlicher Greis von 90 Jahren. Um ihn vom Flammentod zu retten, wollte man ihn, in Tücher gewickelt, zu einem der Fenster herablassen, allein, die in der Eile nicht festgeknüpften Knoten lösten sich, und der unglückliche Alte wurde auf dem Felsen zerschmettert. Es wird gesagt, bei diesem Absturz hatte der Teufel seine Hand im Spiel, denn Georg von Berbisdorf war einer der Schlimmsten seines Geschlechts. Seine Untergebenen, die Bauern und Bediensteten, drangsalierte er bis aufs Blut, und nun empfing er von der Hölle nichts anderes als die gerechte Strafe. Ab und zu soll sein gliederloser Rumpf in der Schloßruine auftauchen und nach den verstreuten Knochen suchen. Er hat sie aber bis zum heutigen Tag nicht alle finden können.

 

Die Schätze der Burg (1)


 

 

ief in den unterirdischen Gewölben der Ruine des Schlosses Niederlauterstein sollen drei Kessel stehen, jeder eine Elle hoch und breit, mit lauter gemünztem Golde gefüllt. In einem anderen Kessel liegen Edelsteine, Kleinodien von unendlichem Wert und eine goldene Krone aus den Zeiten der böhmischen Lehnsherrschaft.
Vor alten Zeiten ist ein Mönchlein aus Prag gekommen, in schwarzen Kleidern, klein von Person und hinkend. Dieser hat den Schatz heben wollen. Als er aber im Gewölbe war und die Schätze bereits vor sich sah, schrie er vor Erstaunen. Die Gewölbe schlossen sich, und von ihren Kleinodien sowie von dem mönchischen Geisterbanner hat niemand wieder etwas bemerkt.

 

Die Schätze der Burg (2)


 

 

inst ging eine arme Frau, welche Beeren gesucht hatte, des Abends nach Zöblitz zu. Als sie die Ruine Lauterstein erblickte, sah sie auf der Höhe eine kleine Kapelle, deren Türe offenstand. Neugierig stieg sie hinauf setzte ihr Kind, welches sie bei sich hatte, auf die Erde, ging in die Kapelle und erblickte hier in einem Kasten vor dem Altare gemünztes Gold. Sie raffte soviel davon in die Schürze, als sie tragen konnte. Freudevoll eilte sie damit nach Hause, ihr Kind und die Beeren vergessend. Nachdem sie das Gold aufgehoben hatte, gedachte sie ihres armen Kindes. Als sie atemlos wieder auf der Ruine ankam, war die Kapelle verschwunden, aber auch ihr Kind.
Jammernd und klagend ging nun das arme Weib täglich zur Ruine. Sie verwünschte das Gold und wollte es gar nicht wieder ansehen; das Liebste fehlte ihr ja - ihr unschuldiges Kind. So trieb sie es jahrelang.
Als sie nach drei Jahren an demselben Tage abermals mit verweinten Augen die Mauern der Ruine anstarrte, siehe, da zeigte sich die Kapelle wieder. Freudig eilte sie hinein und traf vor dem Altare ihr Kind schlafend an. Mit Entzücken presste sie es an ihr mütterliches Herz und eilte mit ihm, ohne an den Schatz zu denken, nach Hause.
Als sie den Berg hinunterging und sich umschaute, war die Kapelle verschwunden. Sie zog nun nach Böhmen, kaufte hier eine Grafschaft, gründete ein Kloster und tat von ihren Schätzen den Armen viel Gutes.

 

Die Burg der Zauberin


 

 

ief im Tale der Pockau stehen die Trümmer der einst stattlichen Burg Niederlauterstein. Von derselben soll in der grauen Vorzeit auf dem felsigen Hügel ein böhmischer Ritter oder eine Edelfrau, welche die Sage zu einer Zauberin macht, eine kleine Burg gehabt haben.

 

Burggeister künden die Zukunft


 

 

ls Kurfürst Johann Georg 1. im Jahre 1644 um Rabenstein gejagt hatte und am 18. August an Chemnitz vorbeizog, bekam er Nachricht, daß seine Jäger in einer Stallung ein wildes Weiblein gefangen hätten, in menschlicher Gestalt, eine Elle lang, von rauher Haut, doch im Angesicht und an den Fußsohlen glatt. Das fing an zu reden und sagte: "Ich verkündige und bringe den Frieden." Da befahl der Kurfürst, das Wildweiblein laufen zu lassen, und sagte: ,,Wir erinnern uns, als wir vor fünfundzwanzig Jahren auf den Lautersteinischen und Crottendörfischen Wäldern jagten, daß wir ein solch Männchen gefangen, das uns kündete: ,,Ich bringe euch Krieg."

 

Die Jungfrau von Niederlauterstein


 

 

or Jahren hütete einmal ein Hirtenknabe aus Lauterbach, nahe der Ruine Niederlauterstein, seine Herde. Es war kurz vor dem Eintreiben am Mittag. Der Bursche hatte sich in der warmen Sonne lang ins Gras gestreckt und wollte sich soeben erheben. Da hörte er hinter sich ein Geräusch. Als er sich verwundert umsah, erblickte er eine Jungfrau von großer kräftiger Gestalt in ganz sonderbarer Kleidung, wie man sie um die damalige Zeit nicht trug.
Sie war emsig damit beschäftigt, Laub zusammenzurechen. Der Bursche war vor Schreck und heimlichem Grauen aufgestanden. Jetzt kam die Jungfrau freundlich auf ihn zu und füllte ihm die Taschen mit dem angesammelten Laub.
Als er wieder zu ihr aufblickte, war sie verschwunden. Nun wurde es dem Knaben noch unheimlicher zumute. Er trieb rasch sein Vieh ein und eilte nach Hause. Hier erzählte er seinen erstaunt aufhorchenden Angehörigen das Erlebnis, griff in die Taschen - und siehe - die Blätter hatten sich in eitel Gold verwandelt.
Noch am gleichen Tage zog die ganze Familie mit Rechen, Körben und Säcken aus, um das übrige Laub bei der Ruine zu sammeln. Ungeduldig und erwartungsvoll schleppten sie die Lasten heim, aber - es blieb Laub.
Im übrigen soll diese goldspendende Jungfrau nie wieder gesehen worden sein.

 
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Wolfgang Richter
Neue Siedlung 12
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