Das Heilig-Obnd-Lied


Schrenschnitt von Max Pichel
Wer kennt es nicht das Heilig-Obnd-Lied der Erzgebirger? Es gehört ebenso zu unserem Weihnachtsfest, wie Räuchermännchen, Engel, Pyramiden, Christbaum, Bergmann, Schwibbogen und Neunerlei. Hat man sich jedoch schon einmal gefragt, wo es entstanden ist oder wer es verfasst hat?
Erwähnt wurde es das erste Mal 1836 in Lindners Liederbuch "Wanderung durch die interessantesten Gegenden des Sächsischen Obererzgebirges" und wurde 1844 erstmals gedruckt. Wobei das Erscheinungsdatum je nach Quelle zwischen 1800 und 1844 liegt.
Die zunächst erschienen 13 Strophen schildert Linder wie folgt: "Zu der Geschwätzigkeit gesellt sich noch unter den Proletariern eine Menge sonderbarer Gebräuche und das Familienleben bezeichnender abergläubischer Gebahrungen, besonders zur Weihnachtszeit, denen man in folgendem Liedchen begegnet, welches eine Pöhlaerin in ihrem Dialekt selbst zum Verfasser hat."
Mit der "Pöhlaerin" meint Lindner Johanne Amahe von Elterlein, welche erst später als Verfasserin des ursprünglichen Heilig-Obnd-Liedes genannt wird.
Im weiteren Verlauf entstanden und entstehen im Volk, aber auch durch Mundartdichter wie Max Schreyer, immer neue Verse. Sie befassen sich auch weiterhin auf besinnlich heitere Weise mit dem Familienleben, bei Schreyer jedoch auch mit dem Bergbau.
Die meisten im Volk verfassten Strophen sind wahrscheinlich auf Grund von bestimmten Alltagssituationen entstanden und irgendwann zur Weihnacht im Heilig-Obnd-Lied verewigt worden. Leider sind viele Strophen nie zu Papier gebracht worden, so dass in heutiger Zeit nur ca. 100 Strophen überliefert sind.
 

Auszug aus dem Heilig-Obnd-Lied

1.

Heit is dr heilge Obnd ihr Maad,
kummt rei, mer gießn Blei
Fritz laaf geschwind zer Hannelies,
se sull bezeiten rei.
 

2.

Iech giß fei erscht, wos krieg iech do,
sat a enn Zwackenschmied.
De Karli lacht, die denkt wuhl gar
iech maan ihr'n Richter Fried.
 

3.

Was gicht da über Schwammetopp?
Nu, Hener ruhst noch net.
Nu wart när bis dr Vater kimmt,
mußt waarich nauf ze Bett.
 

4.

Na horcht när mal im Ufentopp,
dos Rumpeln un dos Geigen,
Na wall's när net noch winseln tut,
bedets a kaane Leichn
 

6.

Bei eich do drübn muß a schie sei,
ihr hatt e Sau geschlacht.
Ne Lechter hatt ihr agezünd,
dos is e wahre Pracht.
 

8.

Du dummer Gung, bill dir nischt ei,
du warst dr nischt drhuln.
Iech ruff eich schu ne Rupprich rei,
dar mag eich fest versuhln.
 

10.

Iech zieh geleich is Bargwark auf,
nu kumme se marschiert
De Bargleit schreie Gelück auf,
wie sich dar Steiger rührt.
 

12.

In Arzgebirg is warrlich schi,
wenn's draußen stürmt un schneit
Un wenn de Peremett siech dreht,
is unner schennste Zeit.

5.

Dr Sauerkraut- un Weihnachtsduft
durchzieht is ganze Haus.
Dos is e rachte Weihnachtsluft
beim Heilig-Obnd-Schmaus
 

7.

Dr Haarig is de Hauptsach fei
von daare Kocherei.
Un war kenn Haarig assen ka,
dar muß net richtig sei.
 

9.

Ihr Kinner brengt de Lichter rei,
dr Obnd bricht nu a.
Un tut se in de Tille nei,
nort brennt eich a nischt o.
 

11.

War hat do Karzle agebrinnt,
macht net su viel Gestank
De Mutter tut de Kließ schu nei,
nu dauerts nimmer lang.

 
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